Bei teurem Futter Schlachtschweine leichter vermarkten?

Stand: 10/31/2007
Autor: Detlef Groß, DLR Westerwald-Osteifel


Aufgrund der inflationsartig gestiegenen Futterkosten werden in der Endmast die letzten Kilos recht teuer auf die Schweine draufgefüttert. Denn die Futterverwertung kann im Gewichtsbereich von 110 bis 130 kg Werte von 1:4 und schlechter annehmen. Außerdem neigen die Schweine mit zunehmendem Gewicht stärker zur Verfettung. Sollte man also die Schweine jetzt besser wieder leichter vermarkten?

Wenn in früheren Jahren bei Endmastfutterpreisen von 15 EUR/dt ohne Mehrwertsteuer = 16 EUR/dt incl. und einer Futterverwertung von 1:4 zum Schluss der Mast jedes zusätzliche kg für 0,64 EUR angefüttert wurde, so kostet dies bei Futterpreisen von 25 EUR/dt plus Mehrwertsteuer immerhin 1,07 EUR/kg Zuwachs! Bezogen auf das zusätzliche kg Schlachtgewicht ergibt das stolze 1,21 EUR/kg (netto) – das sind 43 Cent je kg Zuwachs mehr oder fast 50 Cent mehr je zusätzliches kg Schlachtgewicht. Können dann hohe Endgewichte noch sinnvoll sein? Am Beispiel einiger Kalkulationen kann man hierzu einige Empfehlungen ableiten.



Übersicht 1 gibt zunächst einen Überblick, wie sich die Futterverwertung in der Endmast ermitteln lässt. Dabei brauchen Börge wegen des höheren Fettansatzes mehr Futter je kg Zuwachs. Wie sich die Mast- und Schlachtgewichte, aber auch der Futterverbrauch bei einem um 1 oder 2 Wochen verzögertem Ausstallen verändern, zeigt Übersicht 2.



Über- und Untergewichte vermeiden

Bei hohen Futterkosten sollte man die Produktion übergewichtiger Tiere besser vermeiden, denn ab Schlachtgewichten von 100 kg oder 106 kg - je nach Preismaske – werden Abzüge fällig. Diese führen bei den meisten Masken dazu, dass die Schweine bei Überschreiten des Optimalbereiches keinen höheren Erlös bringen, auch wenn sie schwerer verkauft werden. War das bei billigem Futter nicht gar so tragisch, so kommen heute nun auch noch hohe Futterkosten hinzu.

In der angefügten Excel-Anwendung ist dies an einem Beispiel aufgeführt. Wenn wie hier die Preismaske ab 101 kg SG Abzüge vorsieht, dann erhält das Schwein mit 104 kg SG 6 Cent/kg Abzüge gegenüber demjenigen, das eine Woche früher verkauft wurde. Dies führt dazu, dass der Grenzerlös sogar leicht negativ wird. Mit dem bei diesem Endgewicht hohen Futterverbrauch je kg Zuwachs summiert sich der Verlust durch die Produktion eines zu schweren Schweines auf 6,47 Euro.

Untergewichtige Schweine sollten aber noch weniger anfallen, denn nicht nur die Abzüge für Untergewichte fallen in Gewicht, meist werden auch fleischreichere Tiere bei Untergewicht nur mit 56% Muskelfleischanteil bezahlt. Die entsprechende Berechnung in der Excel-Datei zeigt, dass damit das um 4 kg Schlachtgewicht schwerere Schwein 14,77 Euro mehr erlöst als das mit 82 kg SG unter der Maskengrenze verkaufte Tier. Auch wenn es sich bei diesen leichten Tieren oft um nicht so gut wachsende Nachzügler handelt – deshalb wurde hier die Futterverwertung mit 1: 4 angesetzt, so bleibt nach Abzug der Futterkosten ein Grenzgewinn von 9,23 €.

Männliche Tiere bei FOM leichter verkaufen

Wie sieht es nun im Optimalbereich der Preismasken aus – lohnen sich da noch schwerere Schweine? Hierbei sollte man nach Geschlecht differenzieren. Weibliche Tiere neigen weniger zur Verfettung und halten auch bei höheren Endgewichten weitgehend ihre Muskelfleischanteile. In Übersicht 3 ist dargestellt, dass bei fleischreichen Tieren bei einer um 14 Tage längeren Mast der Grenzerlös der schwereren Tiere bei diesem Basispreis noch um 3,24 Euro höher liegt als die Grenzkosten, die durch Futter und sonstige variable Kosten anfallen. Damit erhöht sich die Direktkostenfreie Leistung um eben diesen Betrag. Zwar sinken die Umtriebe durch eine um 14 Tage längere Mastdauer, jedoch bleibt der Vorteil für die schwereren Tiere auch auf den Mastplatz bezogen bestehen. Auch bei niedrigeren Schweinepreisen bleibt dies so gültig, denn dann sinkt auch die Spanne, also die Direktkostenfreie Leistung insgesamt, aber der Unterschied zugunsten der schwereren Schweine bleibt bestehen.



Mit der zum Downloaden angefügten Excel-Datei "Grenzerloes_Endmast" können Vergleichsberechnungen der Grenzgewinne eine Weitermast bei schweren und leichten Schweinen, aber auch im Optimalbereich durchgeführt werden.

Hingegen sollten männliche Tiere bei der FOM-Vermarktung bei hohen Futterkosten durchaus etwas leichter verkauft werden, wie in einer entsprechenden Berechnung erkennbar wird. Zwar wird auch hier mit den schwereren Schweinen ein Grenzerlös von fast 10 Euro erzielt, obwohl von einem Rückgang im Muskelfleischanteil von 1% ausgegangen wurde. Diesem stehen aber alleine zusätzliche Futterkosten von 10,46 Euro gegenüber, so dass die Direktkostenfreie Leistung der schwereren Börge schon je Tier schlechter ausfällt und damit durch die geringeren Umtriebe erst recht je Mastplatz. Hier sah die Sachlage bei Futterpreisen von 15 Euro/dt Endmastfutter noch anders aus. Bei Börgen sind damit ab Futterpreisen, die über 18 Euro/dt liegen, leichtere Gewichte sinnvoll.

Tiere wiegen zur gezielten Vermarktung

Um die Schlachtschweine im optimalen Bereich verkaufen zu können, sollte man die Tiere wiegen. Eine Viehwaage ist bei den immer enger werdenden Gewichtsgrenzen der Preismasken eine sehr wertvolle Einrichtung, um Abzüge für Übergewichte, aber auch für Untergewichte zu vermeiden. Zumindest die Vorläufer bzw. die schwersten Tiere in einer Bucht sollte man einzeln wiegen, um das Auge zu schulen. Dann kann man das Gewicht der anderen Tiere im Vergleich besser einschätzen.

Bei Großgruppenhaltung (200 bis 400 Tiere in einer Gruppe) übernimmt das die Technik der Sortieranlagen, sei es über eine Waage in der Sortierschleuse oder über eine Kamera, über die das Gewicht der Tiere relativ genau ermittelt wird. Entsprechend werden die Tiere, die das nötige Gewicht für die Vermarktung erreicht haben, in die Verkaufsbuchten sortiert.

Wenn man die gesamte Verkaufspartie wiegt, kann man auch Aussagen zu den Ausschlachtungsergebnissen bei einem Vermarkter machen.

Bei AutoFOM gelten andere Regeln

Bei einer Vermarktung an Schlachthöfe, die mit einem Auto-FOM-Gerät klassifizieren, führen zu leichte Schweine zu erheblichen Erlöseinbußen, da die wertvollen Teilstücke Schinken und Lachs zu leicht sind und damit das Schwein viele Indexpunkte einbüßt, was den Erlös dieser Schweine empfindlich schmälert. In Übersicht 4 kann man an einem Beispiel einer AutoFOM-Preismaske sehen, wie sich die Bezahlung verschlechtert, wenn die optimalen Schinken- und Lachsgewichte nicht erreicht werden.



Eine wichtige Empfehlung bei der Auto-FOM-Vermarktung ist es daher, die nötigen Mindestgewichte beim Schinken (je nach Abnehmer z.B. 15 oder 16 kg) und beim Lachs (meist 6,2 kg), ab denen mit den höchsten Preisfaktoren gerechnet wird, einzuhalten und dafür lieber Abzüge beim Bauch hinzunehmen. Dazu müssen männliche Tiere, die über Auto-FOM vermarktet werden, mit über 97 kg Schlachtgewicht etwas schwerer gemacht werden als beim FOM – weil ihre Schinken und Koteletts sonst zu klein sind. Auch wenn das teures Futter kostet – oder man sucht einen anderen Absatzweg für die Börge.

Auch bei Auto-FOM-Vermarktung leistet die Abschätzung der Teilstückgewichte (Schinken, Lachs) durch eine Kamera in der Sortierschleuse hilfreiche Unterstützung, um möglichst gute Indexpunkte zu erzielen.

Ansonsten kann man nach Erfahrungen aus Baden-Württemberg recht gut mit Hilfe eines selbst angefertigten Messbügels abschätzen, ob die Tiere die bei der Auto-FOM-Vermarktung für die Indexpunkte so wichtigen nötigen Mindestgewichte beim Schinken erreicht haben. Mit einem Messbügel als Schablone wird dabei der Schinken der Tiere vermessen, bei mind. 36,0 cm Schinkenbreite bei männlichen Tieren und mind. 35,0 cm bei weiblichen Tieren kann man je nach Genetik davon ausgehen, dass die Tiere ein Schinkengewicht von mind. 16 kg erreichen und auch die Lachsgewichte (mind. 6,2 kg) stimmen.

Hohe Umtriebe sind kein Ziel an sich

Natürlich kann man nicht jedes Schwein zum Idealgewicht vermarkten. Innerhalb einer Woche sind bei dem einen Schwein vielleicht nur 3 kg, beim anderen aber 5 kg Schlachtgewicht mehr dran. Um die Transportkosten beim Verkauf der Schweine gering zu halten, müssen möglichst große Partien verkauft werden, damit man in eine günstigere Transportkostenstaffel kommt. Dies führt dann leider zu einer größeren Streuung der Verkaufsgewichte und damit dann die leichteren auch gewiss die Untergrenzen der Preismasken überwinden, muss man im Schnitt eben etwas vorhalten.

Ein häufiges Argument für niedrigere Verkaufsgewichte lautet: Höhere Umtriebe. Nun sind Kalkulationen, die bei etwas niedrigeren Schlachtgewichten (3-5 kg) durch eine Woche kürzere Mastdauer mehr Umtriebe pro Mastplatz ausrechnen, oft nur theoretischer Natur. Denn in bestehenden Systemen, bei denen der Rhythmus des Belegens der Abteile, Ferkelbezug und Abteilgröße aufeinander abgestimmt sind, können die Abteile meist nicht so einfach ohne größere Änderungen im gesamten Ablauf eine Woche früher belegt werden. Denn auch im vorgelagerten Ferkelerzeugerbetrieb – dem eigenen oder dem des Partners, gilt es Produktionsrhythmen einzuhalten. Die durchschnittlichen Verkaufsgewichte lassen sich dann zwar dadurch verändern, dass man mehr Tiere am Anfang der Ausstallperiode mit den Vorläufern verkauft oder mehr gegen Ende hin. Die Zahl der Umtriebe bleibt dabei aber gleich.

Höhere Umtriebe zu erreichen, ist auch kein ökonomisches Ziel an sich, vor allem in Zeiten, wenn die Spannen in der Mast niedrig sind. Wenn die Direktkostenfreie Leistung pro Schwein durch Abzüge für Untergewichte geringer ausfällt, nützt es nichts, dieses Ergebnis häufiger pro Jahr zu wiederholen. Entscheidend ist die Direktkostenfreie Leistung pro Platz und Jahr. Weniger Durchgänge bei höheren Endgewichten bedeuten auch weniger häufig Ein- und Ausstallen, Reinigen und Anfüttern – die Arbeitszeit pro Mastplatz und Jahr wird also geringer.

Um die Auslastung der Hauptmastabteile zu verbessern, ist ein Nachmastabteil vorzusehen, damit die Nachzügler die Untergrenzen der Preismasken überwinden können, besser noch zwei, um auch diese Rest-Abteile mal reinigen zu können. Auch wenn die Nachzügler schlechter zunehmen, sind die Grenzerlöse der Nachmast wie aufgezeigt nicht zu verachten. Sie dürfen aber keine regulären Stallplätze blockieren.

Wahrscheinlich werden die Abnehmer eine breite Absenkung der Gewichte bei Schlachtschweinen auch nicht einfach hinnehmen, denn bei den Schlachtunternehmen verursachen niedrigere Schlachtgewichte natürlich eine Erhöhung der Schlachtkosten je kg, so dass sie über eine Änderung der Masken stärkere Anreize für die Mäster bieten werden, die höheren Schlachtgewichte zu liefern.


Zusammenfassung:

- Durch die gestiegenen Futterkosten werden höhere Mastendgewichte teuer erfüttert.
- Deshalb überlegen viele Mäster, die Schlachtgewichte zu senken.
- Abzüge für übergewichtige Tiere sind durch rechtzeitiges Ausstallen zu vermeiden.
- Aber auch Abzüge für Untergewichte sind möglichst zu begrenzen.
- Männliche Tiere sollten bei hohen Futterkosten etwas leichter verkauft werden.
- Eine Waage ist zu einer gezielten Vermarktung unerlässlich.



Eine Viehwaage bietet Unterstützung bei der
optimalen Vermarktung, aber auch zur
Kontrolle der Ausschlachtungen
Bei hohen Futterkosten sollten Börge bei FOM-Vermarktung etwas leichter verkauft werden




Hohe Umtriebe alleine nutzen nichts, entscheidend
ist die Direktkostenfreie Leistung pro Mastplatz
Die Preismasken der Schlachthöfe sind in den letzten Jahren stets enger geworden. Abzüge für Über- und Untergewichte sollten möglichst vermieden werden




Bei FOM-Vermarktung gelten andere Regeln für die optimalen Gewichte als bei AutoFOM.
Autor: Detlef Groß, DLR Westerwald-Osteifel


Aufgrund der inflationsartig gestiegenen Futterkosten werden in der Endmast die letzten Kilos recht teuer auf die Schweine draufgefüttert. Denn die Futterverwertung kann im Gewichtsbereich von 110 bis 130 kg Werte von 1:4 und schlechter annehmen. Außerdem neigen die Schweine mit zunehmendem Gewicht stärker zur Verfettung. Sollte man also die Schweine jetzt besser wieder leichter vermarkten?

Wenn in früheren Jahren bei Endmastfutterpreisen von 15 EUR/dt ohne Mehrwertsteuer = 16 EUR/dt incl. und einer Futterverwertung von 1:4 zum Schluss der Mast jedes zusätzliche kg für 0,64 EUR angefüttert wurde, so kostet dies bei Futterpreisen von 25 EUR/dt plus Mehrwertsteuer immerhin 1,07 EUR/kg Zuwachs! Bezogen auf das zusätzliche kg Schlachtgewicht ergibt das stolze 1,21 EUR/kg (netto) – das sind 43 Cent je kg Zuwachs mehr oder fast 50 Cent mehr je zusätzliches kg Schlachtgewicht. Können dann hohe Endgewichte noch sinnvoll sein? Am Beispiel einiger Kalkulationen kann man hierzu einige Empfehlungen ableiten.



Übersicht 1 gibt zunächst einen Überblick, wie sich die Futterverwertung in der Endmast ermitteln lässt. Dabei brauchen Börge wegen des höheren Fettansatzes mehr Futter je kg Zuwachs. Wie sich die Mast- und Schlachtgewichte, aber auch der Futterverbrauch bei einem um 1 oder 2 Wochen verzögertem Ausstallen verändern, zeigt Übersicht 2.



Über- und Untergewichte vermeiden

Bei hohen Futterkosten sollte man die Produktion übergewichtiger Tiere besser vermeiden, denn ab Schlachtgewichten von 100 kg oder 106 kg - je nach Preismaske – werden Abzüge fällig. Diese führen bei den meisten Masken dazu, dass die Schweine bei Überschreiten des Optimalbereiches keinen höheren Erlös bringen, auch wenn sie schwerer verkauft werden. War das bei billigem Futter nicht gar so tragisch, so kommen heute nun auch noch hohe Futterkosten hinzu.

In der angefügten Excel-Anwendung ist dies an einem Beispiel aufgeführt. Wenn wie hier die Preismaske ab 101 kg SG Abzüge vorsieht, dann erhält das Schwein mit 104 kg SG 6 Cent/kg Abzüge gegenüber demjenigen, das eine Woche früher verkauft wurde. Dies führt dazu, dass der Grenzerlös sogar leicht negativ wird. Mit dem bei diesem Endgewicht hohen Futterverbrauch je kg Zuwachs summiert sich der Verlust durch die Produktion eines zu schweren Schweines auf 6,47 Euro.

Untergewichtige Schweine sollten aber noch weniger anfallen, denn nicht nur die Abzüge für Untergewichte fallen in Gewicht, meist werden auch fleischreichere Tiere bei Untergewicht nur mit 56% Muskelfleischanteil bezahlt. Die entsprechende Berechnung in der Excel-Datei zeigt, dass damit das um 4 kg Schlachtgewicht schwerere Schwein 14,77 Euro mehr erlöst als das mit 82 kg SG unter der Maskengrenze verkaufte Tier. Auch wenn es sich bei diesen leichten Tieren oft um nicht so gut wachsende Nachzügler handelt – deshalb wurde hier die Futterverwertung mit 1: 4 angesetzt, so bleibt nach Abzug der Futterkosten ein Grenzgewinn von 9,23 €.

Männliche Tiere bei FOM leichter verkaufen

Wie sieht es nun im Optimalbereich der Preismasken aus – lohnen sich da noch schwerere Schweine? Hierbei sollte man nach Geschlecht differenzieren. Weibliche Tiere neigen weniger zur Verfettung und halten auch bei höheren Endgewichten weitgehend ihre Muskelfleischanteile. In Übersicht 3 ist dargestellt, dass bei fleischreichen Tieren bei einer um 14 Tage längeren Mast der Grenzerlös der schwereren Tiere bei diesem Basispreis noch um 3,24 Euro höher liegt als die Grenzkosten, die durch Futter und sonstige variable Kosten anfallen. Damit erhöht sich die Direktkostenfreie Leistung um eben diesen Betrag. Zwar sinken die Umtriebe durch eine um 14 Tage längere Mastdauer, jedoch bleibt der Vorteil für die schwereren Tiere auch auf den Mastplatz bezogen bestehen. Auch bei niedrigeren Schweinepreisen bleibt dies so gültig, denn dann sinkt auch die Spanne, also die Direktkostenfreie Leistung insgesamt, aber der Unterschied zugunsten der schwereren Schweine bleibt bestehen.



Mit der zum Downloaden angefügten Excel-Datei "Grenzerloes_Endmast" können Vergleichsberechnungen der Grenzgewinne eine Weitermast bei schweren und leichten Schweinen, aber auch im Optimalbereich durchgeführt werden.

Hingegen sollten männliche Tiere bei der FOM-Vermarktung bei hohen Futterkosten durchaus etwas leichter verkauft werden, wie in einer entsprechenden Berechnung erkennbar wird. Zwar wird auch hier mit den schwereren Schweinen ein Grenzerlös von fast 10 Euro erzielt, obwohl von einem Rückgang im Muskelfleischanteil von 1% ausgegangen wurde. Diesem stehen aber alleine zusätzliche Futterkosten von 10,46 Euro gegenüber, so dass die Direktkostenfreie Leistung der schwereren Börge schon je Tier schlechter ausfällt und damit durch die geringeren Umtriebe erst recht je Mastplatz. Hier sah die Sachlage bei Futterpreisen von 15 Euro/dt Endmastfutter noch anders aus. Bei Börgen sind damit ab Futterpreisen, die über 18 Euro/dt liegen, leichtere Gewichte sinnvoll.

Tiere wiegen zur gezielten Vermarktung

Um die Schlachtschweine im optimalen Bereich verkaufen zu können, sollte man die Tiere wiegen. Eine Viehwaage ist bei den immer enger werdenden Gewichtsgrenzen der Preismasken eine sehr wertvolle Einrichtung, um Abzüge für Übergewichte, aber auch für Untergewichte zu vermeiden. Zumindest die Vorläufer bzw. die schwersten Tiere in einer Bucht sollte man einzeln wiegen, um das Auge zu schulen. Dann kann man das Gewicht der anderen Tiere im Vergleich besser einschätzen.

Bei Großgruppenhaltung (200 bis 400 Tiere in einer Gruppe) übernimmt das die Technik der Sortieranlagen, sei es über eine Waage in der Sortierschleuse oder über eine Kamera, über die das Gewicht der Tiere relativ genau ermittelt wird. Entsprechend werden die Tiere, die das nötige Gewicht für die Vermarktung erreicht haben, in die Verkaufsbuchten sortiert.

Wenn man die gesamte Verkaufspartie wiegt, kann man auch Aussagen zu den Ausschlachtungsergebnissen bei einem Vermarkter machen.

Bei AutoFOM gelten andere Regeln

Bei einer Vermarktung an Schlachthöfe, die mit einem Auto-FOM-Gerät klassifizieren, führen zu leichte Schweine zu erheblichen Erlöseinbußen, da die wertvollen Teilstücke Schinken und Lachs zu leicht sind und damit das Schwein viele Indexpunkte einbüßt, was den Erlös dieser Schweine empfindlich schmälert. In Übersicht 4 kann man an einem Beispiel einer AutoFOM-Preismaske sehen, wie sich die Bezahlung verschlechtert, wenn die optimalen Schinken- und Lachsgewichte nicht erreicht werden.



Eine wichtige Empfehlung bei der Auto-FOM-Vermarktung ist es daher, die nötigen Mindestgewichte beim Schinken (je nach Abnehmer z.B. 15 oder 16 kg) und beim Lachs (meist 6,2 kg), ab denen mit den höchsten Preisfaktoren gerechnet wird, einzuhalten und dafür lieber Abzüge beim Bauch hinzunehmen. Dazu müssen männliche Tiere, die über Auto-FOM vermarktet werden, mit über 97 kg Schlachtgewicht etwas schwerer gemacht werden als beim FOM – weil ihre Schinken und Koteletts sonst zu klein sind. Auch wenn das teures Futter kostet – oder man sucht einen anderen Absatzweg für die Börge.

Auch bei Auto-FOM-Vermarktung leistet die Abschätzung der Teilstückgewichte (Schinken, Lachs) durch eine Kamera in der Sortierschleuse hilfreiche Unterstützung, um möglichst gute Indexpunkte zu erzielen.

Ansonsten kann man nach Erfahrungen aus Baden-Württemberg recht gut mit Hilfe eines selbst angefertigten Messbügels abschätzen, ob die Tiere die bei der Auto-FOM-Vermarktung für die Indexpunkte so wichtigen nötigen Mindestgewichte beim Schinken erreicht haben. Mit einem Messbügel als Schablone wird dabei der Schinken der Tiere vermessen, bei mind. 36,0 cm Schinkenbreite bei männlichen Tieren und mind. 35,0 cm bei weiblichen Tieren kann man je nach Genetik davon ausgehen, dass die Tiere ein Schinkengewicht von mind. 16 kg erreichen und auch die Lachsgewichte (mind. 6,2 kg) stimmen.

Hohe Umtriebe sind kein Ziel an sich

Natürlich kann man nicht jedes Schwein zum Idealgewicht vermarkten. Innerhalb einer Woche sind bei dem einen Schwein vielleicht nur 3 kg, beim anderen aber 5 kg Schlachtgewicht mehr dran. Um die Transportkosten beim Verkauf der Schweine gering zu halten, müssen möglichst große Partien verkauft werden, damit man in eine günstigere Transportkostenstaffel kommt. Dies führt dann leider zu einer größeren Streuung der Verkaufsgewichte und damit dann die leichteren auch gewiss die Untergrenzen der Preismasken überwinden, muss man im Schnitt eben etwas vorhalten.

Ein häufiges Argument für niedrigere Verkaufsgewichte lautet: Höhere Umtriebe. Nun sind Kalkulationen, die bei etwas niedrigeren Schlachtgewichten (3-5 kg) durch eine Woche kürzere Mastdauer mehr Umtriebe pro Mastplatz ausrechnen, oft nur theoretischer Natur. Denn in bestehenden Systemen, bei denen der Rhythmus des Belegens der Abteile, Ferkelbezug und Abteilgröße aufeinander abgestimmt sind, können die Abteile meist nicht so einfach ohne größere Änderungen im gesamten Ablauf eine Woche früher belegt werden. Denn auch im vorgelagerten Ferkelerzeugerbetrieb – dem eigenen oder dem des Partners, gilt es Produktionsrhythmen einzuhalten. Die durchschnittlichen Verkaufsgewichte lassen sich dann zwar dadurch verändern, dass man mehr Tiere am Anfang der Ausstallperiode mit den Vorläufern verkauft oder mehr gegen Ende hin. Die Zahl der Umtriebe bleibt dabei aber gleich.

Höhere Umtriebe zu erreichen, ist auch kein ökonomisches Ziel an sich, vor allem in Zeiten, wenn die Spannen in der Mast niedrig sind. Wenn die Direktkostenfreie Leistung pro Schwein durch Abzüge für Untergewichte geringer ausfällt, nützt es nichts, dieses Ergebnis häufiger pro Jahr zu wiederholen. Entscheidend ist die Direktkostenfreie Leistung pro Platz und Jahr. Weniger Durchgänge bei höheren Endgewichten bedeuten auch weniger häufig Ein- und Ausstallen, Reinigen und Anfüttern – die Arbeitszeit pro Mastplatz und Jahr wird also geringer.

Um die Auslastung der Hauptmastabteile zu verbessern, ist ein Nachmastabteil vorzusehen, damit die Nachzügler die Untergrenzen der Preismasken überwinden können, besser noch zwei, um auch diese Rest-Abteile mal reinigen zu können. Auch wenn die Nachzügler schlechter zunehmen, sind die Grenzerlöse der Nachmast wie aufgezeigt nicht zu verachten. Sie dürfen aber keine regulären Stallplätze blockieren.

Wahrscheinlich werden die Abnehmer eine breite Absenkung der Gewichte bei Schlachtschweinen auch nicht einfach hinnehmen, denn bei den Schlachtunternehmen verursachen niedrigere Schlachtgewichte natürlich eine Erhöhung der Schlachtkosten je kg, so dass sie über eine Änderung der Masken stärkere Anreize für die Mäster bieten werden, die höheren Schlachtgewichte zu liefern.


Zusammenfassung:

- Durch die gestiegenen Futterkosten werden höhere Mastendgewichte teuer erfüttert.
- Deshalb überlegen viele Mäster, die Schlachtgewichte zu senken.
- Abzüge für übergewichtige Tiere sind durch rechtzeitiges Ausstallen zu vermeiden.
- Aber auch Abzüge für Untergewichte sind möglichst zu begrenzen.
- Männliche Tiere sollten bei hohen Futterkosten etwas leichter verkauft werden.
- Eine Waage ist zu einer gezielten Vermarktung unerlässlich.

Download: Grenzerloes_Endmast.xls


Detlef.Gross@dlr.rlp.de      drucken nach oben  zurück