Geflügelmast - Vorgaben für die Haltung

Stand: 07/06/2017
Ökologische Geflügelmast - Vorgaben für die Haltung
Auszug aus den Verordnungen (EG) Nr. 834/2007 und 889/2008 und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung

Stall und Mindestmaße
In einem Stall dürfen nach EU-Öko-Verordnungen maximal folgende Tierzahlen untergebracht sein:

TierartAnzahl Tiere/ Stall
Masthühner4.800
Perlhühner5.200
weibl. Barbarie- oder Pekingenten4.000
männl. Barbarie- oder Pekingenten oder sonstige Enten 3.200
Kapaune, Gänse , Truthühner2.500

Die Stallfläche je Produktionseinheit darf 1.600 m² nicht überschreiten.
Die maximal zulässige Belegdichte beträgt wie folgt:


Tiere/m² nutzbare Stallfläche cm Sitzstange je Tier
Mastgeflügel in festen Ställen10, höchstzulässiges Lebendgewicht 21 kg /m²20, nur Perlhühner
Mastgeflügel in beweglichen Ställen16* in beweglichen Ställen mit einem höchstzulässigen Lebendgewicht von 30 kg/m²
* Nur in beweglichen Ställen mit einer Bodenflächen von höchstens 150 m².


Bodengestaltung
  • Die Tiere dürfen nicht in Käfigen gehalten werden. Zu den Käfigen zählen auch die sogenannten Kleinvolieren oder ausgestalteten Käfige!
  • Bodengestaltung: Mindestens 1/3 der Fläche muss von fester Beschaffenheit und mit Einstreu versehen sein, z. B. Stroh, Holzspäne, Sand oder Torf. Die Materialien müssen nicht in Öko-Qualität vorliegen, Stroh sollte allerdings möglichst ohne Wachstumsregler produziert worden sein.
  • Die Bauweise muss allen Tieren leichten Zugang zum Auslaufbereich ermöglichen. Ein- und Ausflugklappen sind in einer den Tieren angemessenen Größe vorzusehen. Ihre Länge soll mindestens 4m pro 100m² Stallfläche betragen.


Trockene, saubere und lockere Einstreu dient der Beschäftigung und dem Wohlbefinden der Tiere.
Bild: ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler


Wintergarten und Außenklimabereich (AKB)
  • Gemäß TierSchNutztV und den EU-Öko-Verordnungen ist ein Außenklimabereich für Mastgeflügel nicht vorgeschrieben.
  • Nach den Bioland-Richtlinien sind für Masthähnchen und Puten zusätzlich AKB anzulegen oder alternativ befestigte Ausläufe. Die Größe muss mind. 1/3 der Mindeststallfläche betragen. Von dieser Regelung ausgenommen sind Bestandsgrößen von unter 100 Tieren und Mobilställe.

Fütterungs- und Tränketechnik
Die EU-Öko-Verordnungen weisen keine expliziten Angaben aus für Mindesttrog-und Tränkelängen. Die Vorgaben ergeben sich aus der TierSchNutztV.
Es gelten für Tränken bei Masthühnern:
  • Rinnentränken: nutzbare 1,5 cm/kg LG
  • Rundtränken: nutzbare 0,66 cm/kg LG
  • Nippel- oder Bechertränken: ein Nippel für max. 15 Tiere
  • die Tiere müssen jederzeit Zugang haben, die Gefahr des Überlaufens muss so gering wie möglich gehalten werden.
Für Futtertröge bei Masthühnern:
  • Längströge: nutzbare 1,5 cm /kg LG
  • Rundtröge: nutzbare 0,66 cm/kg LG
  • alle Tier müssen gleichzeitig Zugang zu den Fütterungseinrichtungen haben

Durch Futter-und Tränkevorrichtungen im Grünauslauf wird eine gleichmäßige Nutzung gewährleistet!
Bild: ©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan 


Beleuchtung und Belüftung (nur Masthühner)
Beleuchtung
  • Mindestens 3% der Stallgrundfläche müssen als Fensterfläche vorhanden sein.
  • Weiterhin muss die Lichtstärke im Kopfbereich der Tiere mindestens 20 Lux betragen.
  • es müssen mindestens 80 % der nutzbaren Stallfläche ausgeleuchtet werden.
  • das natürliche Licht kann durch eine künstliche Beleuchtung ergänzt werden. Dabei sind maximal 16 Lichtstunden zulässig, die Phase ohne künstliche Beleuchtung muss mind. 8 Stunden betragen (Nachtruhe).

Belüftung
  • Eine Lüftung sowie ggf. eine Heizungs- und Kühlanlage sind einzubauen.
  • Dadurch soll Hitzestress vermieden und überschüssige Feuchtigkeit abgeführt werden.
  • Die Grenzwerte für Schadgase betragen: Ammoniak: 20 cm³ /m³ Luft; CO2: 3.000 cm³/m³ Luft
  • Wenn die Außentemperatur >30°C im Schatten liegt, darf die Raumtemperatur die Außentemperatur nicht um mehr als 3°C überschreiten.
  • Bei einer Außentemperatur von unter 10°C darf die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit im Stall (Durchschnittswert über 48 Stunden) 70% nicht überschreiten.
  • Pro kg Lebendgewicht der sich gleichzeitig im Stall befindenden Tiere muss ein Luftaustausch von mindestens 4,5m³ je Stunde erreicht werden können.
  • Die Lärmimmission im Bereich der Tiere durch technische Anlagen wie die Lüftung muss auf ein Mindestmaß begrenzt werden.
  • Über Beleuchtungs- und Belüftungsmaßnahmen müssen Aufzeichnungen geführt werden.


Grünausläufe

Wann muss Auslauf angeboten werden?
  • Den Tieren ist mindestens für 1/3 der Lebensdauer Zugang zu Freigelände (Grünauslauf) zu gewähren. Auch wenn dieser Wert erreicht ist, darf den Tieren der Zugang zu Freigelände nicht verwehrt werden!
  • für den täglichen Auslauf gilt, dass dieser ab 10 Uhr bis zum Einbruch der Dämmerung gewährt werden muss
  • der tägliche Auslauf ist in Form eines Auslaufjournals zu dokumentieren. Dieses Journal wird bei Kontrollen von den Öko-Kontrollstellen eingesehen.
  • Auslauf darf nur in begründeten Ausnahmen wie extremer Witterung (z.B. Starkregen) verwehrt werden. Diese Ausnahmen sind mit Begründung ebenfalls im Auslaufjournal zu dokumentieren.

Wie muss der Auslauf gestaltet sein?
Die vorgeschriebene Fläche für den Grünauslauf beträgt:

Alle Werte gelten unter der Bedingung, dass die höchstzulässige Menge von 170 kg N/ha und Jahr nicht überschritten wird.
  • Der Auslauf muss überwiegend aus einer Vegetationsdecke bestehen und er muss strukturiert sein. Natürliche Strukturelemente können hohe Gräser (z.B. Mais), Hecken, Sträucher oder Bäume sein. Sie bieten den Hennen Deckung. Durch eine gleichmäßige Verteilung der Elemente soll der gesamte Auslauf von den Tieren genutzt werden. Alternativ zu natürlichen Elementen können auch künstliche Elemente wie alte Anhänger oder Tarnnetze Deckung bieten.
  • Neben den Strukturelementen müssen ausreichend Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen den Tieren zur Verfügung stehen.
  • Vor Neubelegung ist in den Auslaufflächen eine entsprechende Ruhezeit notwendig, in der sich die Vegetation erholen kann.
  • Bei festen Ställen ist der Bereich direkt am Stall besonders stark belastet durch die Nutzung. Hunderte Hühnerfüße täglich zertrampeln den Boden, der Koteintrag ist aus hygienischer Sicht problematisch. Daher gilt die Empfehlung, mit Wechselausläufen zu arbeiten. Für den Bereich direkt am Stall bietet sich eine Auflage mit Hackspänen oder Rindenkompost an, welche regelmäßig ausgetauscht werden kann.


©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan


Besonderheiten für Wassergeflügel
  • Wassergeflügel muss zum Ausleben der artspezifischen Bedürfnisse Zugang zu Wasserflächen haben, z.B. einem Bach, Teich See oder Wasserbecken.
  • Dies gilt soweit es Witterung und Hygienebestimmungen gestatten.


Hier dient eine flache Blechwanne in einem Kleinbestand als Wasserfläche.

Stand März 2014
Alle Angaben ohne Gewähr





Monika.Wallhaeuser@dlr.rlp.de     www.Oekolandbau.rlp.de drucken nach oben