ökologsiche Weinbaubauinformation vom 11.06.2019



Rebentwicklung
Lage: Die Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Während es in frühen Regionen wie der Mittelhaardt, Rheinebene und bevorzugte Lagen an der Mosel schon blüht, wird es in anderen Regionen mit der Blüte noch ein paar Tage dauern. Auch wenn es teilweise etwas abkühlt, ist das Blütewetter immer noch ideal. Aufgrund der unerwartet schnellen Entwicklung sind wir nun doch ein paar Tage vor dem langjährigen Mittel.
Die Niederschläge der vergangenen Tage waren sehr unterschiedlich verteilt. Letzte Woche regnete es teilweise in der Pfalz und im nördlichen Rheinhessen und der Mosel, während die Regionen dazwischen zum Teil komplett trocken blieben. Letzte Nacht regnete es fast überall zwischen 5 und 15 l/m2.
Entwicklungsstadium: ES 55 bis ES 65 („Gescheine deutliche sichtbar“ bis „Vollblüte“)
Pflanzenschutz
Oidium:
Stand: Die Reben sind mitten im „Oidiumbefallsfenster“. Gute Abdeckung ist jetzt sehr wichtig. Je nach Entwicklung wöchentlich mit Netzschwefel abdecken, bzw. ab etwa Vollblüte/abgehende Blüte mit einem Bicarbonatprodukt kombinieren. Größte Sicherheit bringt Kumar oder Vitisan /Natriumbicarbonat mit Wetcit. Für weniger gefährdete Standorte oder generell wenig Probleme in der Vergangenheit mit Oidium reicht Netzschwefel oder die Kombination Netzschwefel mit Vitisan /Natriumbicarbonat mit Cocana oder Profital fluid.
Schwefelmenge je nach Entwicklung der Anlagen und Empfindlichkeit der Rebsorten bzw. Lagengefährdung anpassen.
Vorsicht: Bei 30 °C und mehr kann es zu Verbrennungen kommen. Ein Zusatz von Netzmittel ist bei reinem Netzschwefeleinsatz ohne Bicarbonat nicht notwendig.
Mittel: Netzschwefel (Thiovit, Kumulus): 4,8 kg/ha, Stulln: 5 kg/ha, Microthiol WG: 8 kg/ha
oder: Netzschwefel mit 2,5 kg/ha Kumar
oder: Netzschwefel mit 3 kg/ha Vitisan/Natriumbicarbonat + Netzmittel (siehe oben)
Peronospora:
Stand: Inzwischen haben wir vereinzelt Ölfleckenmeldungen aus der Südpfalz (Mörzheim, Eschbach) und aus Rheinhessen (Bodenheim und dem Wonnegau) aus Infektionen vom 21.5. Gefährlich könnte die nächste Nacht werden, wenn auf die nun nassen Böden noch ein weiterer, heftigerer Regen folgt. Dann gibt es weitere Bodeninfektionen in die nun sehr empfindlichen Gescheine mit direktem Ertragsausfall. Ob und wo dies zutrifft, ist bei der derzeitigen unsicheren Wetterprognose nicht vorauszusehen.
Mittel: Kupfer: 300 g reinCu /ha (zurzeit steht der Schutz der Gescheine an!)

Entblätterung:
Eine Entblätterung bis etwa 1 Woche nach der Blüte führt noch zu merklicher Verrieselung. Neben dem Auflockerungseffekt gehen mit frühzeitigen Entblätterungsmaßnahmen auch Abhärtungseffekte einher, die die Widerstandsfähigkeit der Beerenhäute gegen Botrytis bis zur Lesereife deutlich verbessern. Auch die Pflanzenschutzmittelanlagerung wird bereits mit beginnender Beerenentwicklung deutlich verbessert. Dies hat zur Folge, dass sich die frühzeitige Teilentblätterung als wirksamste und zuverlässigste kulturtechnische Maßnahme zur Vorbeugung späterer Botrytisprobleme erwiesen hat.
Diese Maßnahme allein zeigt in vielen Jahren einen Wirkungsgrad gegen Botrytis von 50%.



Beate.Fader@dlr.rlp.de      drucken nach oben