Kindermilch: Kinder brauchen keinen Kuhmilchersatz!

Unter Kindermilch versteht man Produkte, die speziell für die Ernährung von Kleinkindern ab dem zwölften Lebensmonat verkauft werden. Es handelt sich dabei meist um Pulver, das auf Basis von Magermilch und Zutaten wie Maltodextrin als Füllstoff, pflanzlichem Öl, Zusatzstoffen und Aromen zusammengemischt wird. Es gibt die Kindermilch aber auch als trinkfertiges Produkt im Handel.

Kindermilch soll laut Herstellerangaben besser für die Entwicklung von Kleinkindern sein als natürliche Kuhmilch, da sie speziell auf die Bedürfnisse und Entwicklung von Kleinkindern abgestimmt wird. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam allerdings zu dem Ergebnis, dass diese Milchprodukte „nicht an die Bedürfnisse von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren angepasst“ sind.

Im Folgenden sind die häufigsten Herstellerangaben den entsprechenden Expertenmeinungen gegenübergestellt.

Herstellerangaben Expertenmeinungen
(Ernährungswissenschaftler, Ärzte, Verbraucherschutzorganisationen etc.)
Kinder“milch“ Es handelt sich um Pulvernahrung, die auf die Fortführung der Säuglingsernährung ausgerichtet ist. Dies ist aus ernährungserzieherischen Gründen abzulehnen. Es kann dazu führen, dass die Trinkgewohnheiten aus dem ersten Lebensjahr fortgeführt werden und die Milch aus einer Flasche getrunken wird. Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass das Trinken aus der Flasche statt aus dem Becher zu höheren Trinkmengen führt und Übergewicht begünstigt.
„Kuhmilchersatz“ Kleinkinder sollen natürliche Lebensmittel kennen lernen. Kindermilch steht einer ausgewogenen auf natürlichen Lebensmittelnbasierenden Ernährung entgegen. Es besteht keine ernährungs-physiologische Notwendigkeit. Der hohe Zuckergehalt der Kindermilch fördert das Verlangen der Kinder nach Süßem.
„Auf den Nährstoffbedarf von Kleinkindern abgestimmt.“Kindermilchprodukte sind nahezu mit allen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, die zum Teil deutlich über denen in herkömmlicher Trinkmilch liegen. Sie tragen so zu einer unkontrollierten Erhöhung der Nährstoffzufuhr bei. Für die meisten Mikronährstoffe besteht keine Notwendigkeit der Anreicherung.
„Ein Plus an Calcium und Vitaminen“
„höhere Mengen an künstlichem Eisen und Vitamin D“
Die Zufuhr von Calcium, Eisen, Jod und Folsäure erscheint aus ernährungsphysiologischer Sicht bei einem Teil der Kinder sinnvoll. Im Vergleich zur Kuhmilch ist die Zufuhr an Calcium durch Kindermilch aber geringer. Kuhmilch enthält durchschnittlich dreimal so viel Calcium wie Kindermilch.
„gesünder als Kuhmilch“ Kindermilch ist nicht „gesünder“ und bei einer ausgewogenen Ernährung nicht notwendig. Wichtige Nährstoffe aus der Kuhmilch, wie Calcium und Vitamin B2 sind in der Kindermilch fast immer in zu geringer Konzentration enthalten
Geringerer Eiweißgehalt, weil „Verringerte Proteinzufuhr
im Kleinkindalter das Risiko für späteres Übergewicht und
Fettleibigkeit reduziert“.
Diese Aussage ist aus heutiger Erfahrung nicht nachzuweisen. Bei normalen Kuhmilch-Trinkmengen ist die Gefahr einer Überdosierung nicht gegeben.Der Fettgehalt von Kindermilch ist vergleichbar mit Kuhmilch. Um das Risiko von Übergewicht zu reduzieren, werden fettreduzierte Kuhmilch und Kuhmilchprodukte empfohlen.
„Kindermilch ist gut fürs Wachstum.“ Bei einer ausgewogenen Ernährung sind spezielle Milchgetränke nicht erforderlich.
Kindermilch ist oft aromatisiert.Mit Aromen lernen Kinder den natürlichen Milchgeschmack nicht kennen. Sie haben in Kleinkinderlebensmitteln generell nichts zu suchen, weil sie die Geschmacksausprägung stark beeinträchtigen und frühzeitig die Präferenz für hoch verarbeitete, aromatisierte Lebensmittel fördern.
Verzehrsempfehlungen Die Verzehrsempfehlungen stimmen nicht mit den wissenschaftlichen Empfehlungen für Milch und Milchprodukte überein. Die Mengen begünstigen langfristig eine Überversorgung an zugesetzten Nährstoffen.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat schon mehrfach Werbesprüche für Kindermilchen gerügt, weil diese gerade „nicht an die Ernährungsbedürfnisse von Kleinkindern angepasst“ seien. 2012 lief ein Verfahren, in dem Prüfer insgesamt 15 Kuhmilchgetränke beanstandet haben, weil die Getränke „sich nicht zur besonderen Ernährung dieser Personengruppe eignen“

Untersuchungsergebnisse eines Marktchecks der Verbraucherzentrale Hamburg haben weiterhin ergeben, dass Kindermilch im Durchschnitt bis zu vier Mal teurer als Kuhmilch ist, das kann im Jahr bis zu 245 Euro Mehrkosten pro Kind ausmachen.

Die Herstellung aus günstigen Zutaten macht Kindermilch zu einem gewinnträchtigen Produkt. Der Markt für Kindernahrung legt jährlich rund 30 % zu.


Fazit:

Kindermilch ist in der Ernährung von Kleinkindern unnötig. Kleine Kinder sollen im Zuge einer nachhaltigen und gesunden Ernährungserziehung natürliche Lebensmittel kennen lernen und allmählich, am Ende des ersten Lebensjahres, an die normale Kostform gewöhnt und in die Familienernährung integriert werden.Durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Speisenzusammenstellung auf Basis des Ernähurngskreises oder der Ernährungspyramide wird der Nährstoffbedarf der in der Regel mühelos gedeckt.


Weiterführende Informationen
Kinderernährung vollwertig und lecker
Kinderlebensmittel im Blickpunkt


Quellen





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