Qualitätsweinanstellungen 2019 - rückläufig?

Stand: 05/10/2019
Anhand der Daten aus der Qualitätsweinprüfung können die Entwicklungen des Weinmarktes für die Anbaugebiete in Rheinland-Pfalz analysiert werden.
Regelmäßig wertet das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz in Oppenheim die Jahreszahlen der Qualitätsweinprüfung aus.
Die Daten hierfür stellt die Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Die Anstellungsmengen lassen Aussagen über das
Vermarktungspotenzial der nächsten Monate zu und erlauben damit quasi einen Blick in die Zukunft des Weinmarktes
.

Niedrigster Stand seit über 20 Jahren
Die Qualitätswein-Anstellungen in Rheinland-Pfalz gingen 2018 auf 4,77 Mio. hl (-4,6 % gg. Vorjahr) und damit auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren zurück.
Hauptgrund hierfür war natürlich vor allem die historisch kleine Ernte im Jahr zuvor. Es gab schlichtweg zu wenig Wein. Der Rückgang wäre wohl noch weit größer
ausgefallen, hätten Winzer und Kellereien nicht schon im November und Dezember den aktuellen 2018er Jahrgang füllen können. Diese Frühfüllungen machen
immerhin 9 % der gesamten Anstellungsmenge im Jahr 2018 aus, doppelt so viel, wie in den Jahren zuvor. Alle Betriebsgruppen mussten in 2018 ähnlich hohe
Rückgänge hinnehmen. Rund 2,9 Mio. hl wurden von Kellereien angestellt. Das entspricht einem Anteil von 60 % aller Qualitätsweine in Rheinland-Pfalz.
Auf Weingüter entfielen 27 % (1,3 Mio. hl) und auf die Winzergenossenschaften ca. 13 % (0,6 Mio. hl). Dieses Verhältnis zwischen den verschiedenen Betriebsgruppen
ist seit Jahren konstant.


Seit 2009 sinkende Anstellungen von Kellereien
Wichtiger als die kurzfristigen Veränderungen von einem Jahr auf das Andere, die vor allem von der Erntemenge bestimmt sind, sind die mittel- und langfristigen
Trends der Qualitätsweinanstellungen. So ist die geprüfte Weinmenge bis in die 2000er-Jahre kontinuierlich angestiegen und erreichte im Jahr 2008 mit
über 5,4 Mio. hl ihren höchsten Wert. Das war die Zeit des Rotweinbooms. Insbesondere die jährlichen Zuwachsraten bei Dornfelder waren damals zweistellig.
Zwischen 1999 und 2008 kamen im Durchschnitt jedes Jahr fast 10 Mio. l Dornfelder mehr auf den Markt. Vor allem die Kellereien wuchsen in dieser Zeit mengenmäßig kräftig.
Im gleichen Zeitraum gingen die Qualitätsweinanstellungen von Weingütern zwar nur leicht, dennoch aber stetig zurück. Schon früh fingen die Flaschenwein vermarktenden
Betriebe an, ertragsstarke Rebsorten, wie z.B. Müller-Thurgau und Silvaner aber auch Portugieser und Dornfelder zu ersetzen. Stattdessen wurden mehr Riesling,
Grau- und Weißburgunder gepflanzt. Außerdem rückten international bekannte Rebsorten - rot wie weiß - in den Fokus qualitätsorientierter Weingüter. Insbesondere
Chardonnay und Sauvignon blanc liegen bis zum heutigen Tag im Trend. Wer sich gegenüber den Kellereien am Markt behaupten will, setzt auf ein attraktives Rebsortenportfolio.
Mit dem Jahr 2009 kam dann die Trendwende bei den Qualitätsweinanstellungen. Die Boomphase des Dornfelders neigte sich ihrem Ende entgegen. Die Anstellungsmenge
der wichtigsten deutschen Rotweinsorte ging zurück. Hinzu kamen die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise im Jahr 2008, an deren Folgen die deutsche Weinexportwirtschaft
bis heute leidet. Veränderungen im Konsumverhalten von Verbrauchern im In- und Ausland taten ihr Übriges. Festzuhalten bleibt, die Anstellungen der Kellereien gingen von 2009
bis 2018 um über 500.000 hl zurück. Alleine diese eine Zahl zeigt, wie hart umkämpft der Weinmarkt im Discount und dem Lebensmittelhandel in Deutschland ist, von den
Exportmärkten ganz zu schweigen.


Es gibt keine mengenstarken Selbstläufer mehr: keinen Dornfelder Rotwein im Inland und auch keine Liebfrauenmilch im Export. Beides Produkte,
die sich früher quasi von selbst verkauft haben. Anders ist das Bild bei den Flaschenwein vermarktenden Weingüter und bei den Winzergenossenschaften in den letzten zehn Jahren.
Diese beiden Betriebsgruppen konnten ihre Anstellungsmenge weitgehend halten bzw. sogar leicht steigern. In der Praxis gibt es zudem immer mehr Winzer, die neben den
Gutsabfüllungen im eigenen Weingut, über eigens gegründete gewerbliche Abfüllbetriebe, in einem nicht unerheblichen Umfang Trauben, Most oder Fasswein zukaufen.
Bei der Landwirtschaftskammer werden diese „Zukaufsgesellschaften von Weingütern“ (meist in der Rechtsform der GBR oder GmbH) qua Definition unter der Rubrik Kellerei geführt.
Nach einer ersten Analyse dieses Geschäftsmodells, die das Kompetenzzentrum in Oppenheim durchgeführt hat, liegt der Anteil der „zukaufenden Weingüter“ an den
Kellereianstellungen je nach Anbaugebiet zwischen 5 und 25 %. (Anmerkung: Die Ergebnisse dieser Auswertung werden wir in einer späteren Ausgabe des DDW vorstellen.).
Besonders interessant sind die Veränderungen der Anstellungsmengen, wenn man die Anbaugebiete im Vergleich betrachtet. Nur noch einmal zur Erinnerung: Die Erntemengen
lagen in allen rheinland-pfälzischen Anbaugebieten im Jahr 2017 deutlich unter dem Vorjahresniveau. Das Statistische Landesamt meldete 2017 für Rheinhessen und die Mosel
eine Weinmosternte, die um 23 % niedriger war als 2016. An der Nahe wurden 18 % weniger geerntet. Von den großen Anbaugebieten kam die Pfalz mit einem Minus von 6 %
noch vergleichsweise glimpflich davon. Diese Tatsache darf sicher zu einem großen Teil als Erklärung für die deutlichen Unterschiede bei den Anstellungen zwischen der Pfalz
und allen anderen Anbaugebiete im Land herhalten.


Pfalz widersteht dem Abwärtstrend
Trotz der kleineren Ernte im Jahr 2017 legte die Pfalz bei den Qualitätsweinanstellungen 2018 um insgesamt 1,5 % zu. Entgegen dem allgemeinen Trend in allen anderen
Anbaugebieten, waren es in der Pfalz die Kellereien, die für das positive Vorzeichen (+3,6 %) sorgten. Das entspricht einem Plus von rund 4 Mio. Litern. Die Anstellungsmengen
von Pfälzer Weingütern (-2,2 %) und Winzergenossenschaften (-0,2 %) gingen hingegen leicht zurück. Der Anstieg von Pfälzer Qualitätswein bei den Kellereianstellungen war über
nahezu alle relevanten Weinarten und Rebsorten festzustellen. Nicht nur die angesagten, klassischen Weißweinsorten wie Riesling (+ 13,3 % gg. Vj.) Grauburgunder (+14,2 %)
oder Chardonnay (+ 46 %) sind gewachsen. Sogar im eher schwächelnden roten Segment legten die Kellereien leicht zu. So stiegen die Anstellungen von Dornfelder Rotwein
aus der Pfalz gegenüber 2017 um 1 %. Die Rosé-Variante des Dornfelder gar um + 33 %, was einem Mengenplus von 1 Mio.l entspricht.


Rheinhessen und Mosel trifft die kleine Erntemenge hart
In den letzten Jahren war es immer wieder Rheinhessen, das von seinen günstigen Fassweinpreisen und den vergleichsweise kleineren Ernten in der Pfalz oder an der Mosel
profitieren konnte. Nicht so im Jahr 2018. Die Anstellungsmenge von Rheinhessenwein ist um fast 6 % auf 2 Mio. hl zurückgegangen. Im Gegensatz zur Pfalz sind die Vorzeichen
über alle Betriebstypen hinweg negativ, sowohl bei Weingütern (-3,7 %) wie auch bei den Kellereien (-6,5 %).Bei den Rebsorten zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Unter den weißen
Rebsorten aus Rheinhessen mussten Platz 2 bis 5 mehr oder weniger starke Verluste hinnehmen (Müller-Thurgau -5 %; Grauburgunder -9%; Weißburgunder -3% und Silvaner -2%).
Da half es auch nicht, dass die Anstellungen von Riesling aus Rheinhessen im Jahr 2018 mit 350.000 hl ein neues Allzeithoch erreichte. Obwohl es bis zur Jahresmitte bei der
wichtigsten deutschen Weißweinrebe eher mau aussah, legten die Abfüllungen vor allem der Kellereien in der zweiten Jahreshälfte noch kräftig zu. So dass zum Ende des
Jahres 2,6 % mehr Riesling aus Rheinhessen geprüft wurde. Offensichtlich waren die Fassweinbestände in der Pfalz aufgebraucht und Rheinhessen ist letztlich doch noch zum Zug gekommen.


Eine durchaus interessante Entwicklung hat die Scheurebe genommen, die auf Platz 6 der weißen Rebsorten aus Rheinhessen steht. Vor zwei Jahren wurde der 100. Geburtstag der
Alzeyer Neuzüchtung gefeiert. Offensichtlich gab dieses Jubiläum den Anstoß für einige Kellereien, sich mit der Rebsorte einmal näher zu beschäftigen. Sie sind auf ein interessantes Produkt
gestoßen, das beim Kunden offensichtlich gut ankommt. Dies lassen zumindest die Zahlen vermuten. Scheurebe aus Rheinhessen wächst um 28% auf eine Anstellungsmenge von 36.500 hl.
Man darf gespannt sein, wie es mit der aromatischen Rebsorte am Markt weitergeht. Besonders eklatant waren 2018 in Rheinhessen aber die Einbrüche beim Rotwein. Insgesamt wurden nur
418.000 hl bei der LWK geprüft. Im Vergleich zum Vorjahr war dies 20 % weniger. Bei den roten Rebsorten lagen die frostbedingten Mindererträge der Weinmosternte 2017 genau bei diesem Wert.
Es darf deshalb angenommen werden, dass die Rückgänge nicht unbedingt ein Zeichen für eine weiter sinkende Nachfrage nach Rotwein sind, sondern die Verfügbarkeit nicht gegeben war.







Erneut mengenmäßig kleines Jahr an der Mosel
Im Vergleich der Anbaugebiete waren die Rückgänge bei den Qualitätsweinanstellungen am stärksten an der Mosel. Gerade mal 541.380 hl (-17,3 %) Qualitätswein wurde
in 2018 an der Mosel produziert. Besonders drastisch waren die Rückgänge der Moselkellereien, deren Anstellungsmengen um mehr als 25 % auf magere 180.000 hl zurückgingen.
Nie waren die Anstellungen von Moselwein durch die Kellereien kleiner. Aber auch die Weinmengen von Weingütern und Genossenschaft sanken um 11 %.
Wesentlicher Grund für die Rückgänge: Der Durchschnittsertrag der Ernte 2017 lag nur bei mageren 63 hl/ha. Die Mosel ist Riesling-Land. Zwei Drittel aller Qualitätsweine fallen auf
diese Rebsorte. In keinem der großen Anbaugebiete ist die Dominanz einer Rebsorte so hoch. Dennoch sind auch die Riesling-Anstellungen von 2017 auf 2018 um 12 % gesunken.
Während die Pfalz und Rheinhessen von einem Riesling-Rekord zum nächsten jagen, hatte die Mosel in den letzten Jahren mit kleinen Ernten zu kämpfen und konnte häufig
schlichtweg nicht liefern. Das kostet auf die Dauer Marktanteile. Hinzu kommt ein dramatischer Rückgang in der Kategorie „Weißwein ohne Rebsortenangabe“.
Dieses Segment hat sich an der Mosel von 2017 auf 2018 halbiert! Auch hier sind Lieferfähigkeit und Verfügbarkeit der Grundware für Kellereien besonders wichtig.
Preisschwankungen fressen die kleinen Margen im Nu auf. Die Folge ist: Kellereien ziehen sich aus dem Geschäft der Generics zurück und setzen immer mehr auf
Markenwelten, bei denen die Herkunft des Weines fast egal ist. Was hier zählt ist vor allem ein dauerhaft günstiger Preis und eine möglichst homogene Qualität über die Jahre.






GfK meldet: Konsumenten kaufen mehr Pfalzwein
Im Auftrag des Deutschen Weininstituts (DWI) analysiert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die Entwicklungen der Weinbranche auf dem deutschen Markt.
Mit dem sogenannten Consumer Panel werden die Einkäufe von deutschen Haushalten erfasst und statistisch ausgewertet. Der Weinkonsum in der Gastronomie
und der Einkauf von Firmen sind genau so wenig erfasst, wie der Weinexport. Auch wenn die Qualitätsweinprüfungen dem Verkauf der Weine naturgemäß um einige
Wochen oder Monate vorauslaufen, sind doch die gleichen Tendenzen zu erkennen. So hat die Pfalz den Marktanteil am Deutschweinsegment von 28 % im Jahr 2017
auf 30 % in 2018 ausgebaut. Im gleichen Zeitraum ist der Marktanteil von Rheinhessenwein von 29 % auf 27 % und der von Moselwein von 7 % auf 5 % zurückgegangen.
Die Entwicklungen bei den Qualitätsweinanstellung, die oben beschrieben wurden, sind bereits voll auf den Markt durchgeschlagen. Die Stimmung am Markt kann man
sicher nicht als schlecht bezeichnen, aber auch im Jahr 2018 meldet die GfK, dass die von privaten Haushalten eingekaufte Menge an Wein erneut zurück gegangen ist,
diesmal um 3,3 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass die Zahl der Käuferhaushalte in Deutschland sinkt. Zum anderen aber auch am sehr preissensiblen deutschen
Weintrinker. Denn Preiserhöhungen gab es 2018 bei nahezu allen Anbietern. Nicht nur in Deutschland war die Ernte 2017 klein. In ganz Europa und bei einem Großteil
der Weinproduzenten aus Übersee waren die Erntemengen gering. Kleines Angebot führt zu höheren Preisen und in der Folge zur Kaufzurückhaltung beim Verbraucher.
Trotz der leichten Rückgänge im Absatz war die Wertentwicklung von Deutschem Wein aber insgesamt positiv. Der Umsatzanteil von Deutschland liegt bei 51 % des
Gesamtmarktes, ein Plus von 1,4 %-Punkten. Alles in allen kein schlechtes Ergebnis für die deutschen Winzer und Kellereien. An der Tatsache, dass der deutsche
Markt einer der am härtesten umkämpften Weinmärkte der Welt ist, ändert das nichts.


Was kommt nach der großen Ernte 2018?
Eine spannende Frage bleibt, wie sich der Weinmarkt in den nächsten Monaten entwickeln wird. Der Erntesegen 2018 könnte durchaus zum Vermarktungsfluch werden.
Das Angebot an Fassweinen ist hoch und trifft derzeit auf eine insgesamt allenfalls stabile Nachfrage. Auf dem Exportmarkt fließt auch bei großen Ernten nicht mehr viel ab.
Erste Konsequenz ist, die Fassweinpreise sind gesunken. Große Unterschiede zwischen den Rebsorten gibt es zurzeit nicht. Es hat sich so etwas wie ein Einheitspreis
am Fassweinmarkt gebildet. Ob und wie sich die Situation im Laufe des Jahres verändert, wird stark von den Ernteerwartungen für den Herbst 2019 abhängen.


Das wichtigste in Kürze (Auswertung der LWK-Jahreszahlen 2018)
  • Nur 4,77 Mio. hl Qualitätsweinanstellungen im Jahr 2018
  • Anstellungen von Kellereien sind in 10 Jahren um 500.000 hl gesunken
  • Entgegen dem allgemeinen Trend legt Pfalz beim Qualitätswein um 1,5 % gg. dem Vorjahr zu
  • Die Anstellungen von Mosel (-20 %) und Rheinhessen (-6 %) gehen deutlich zurück

Bernd Wechsler, Leitung Kompetenzzentrum Weinmarkt und Weinmarketing





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